von David Hildenbrand
„Piep-Piep! Piep-Piep!“, ertönt der Metalldetektor. „Bitte kommen Sie kurz zur Seite“, verlangt ein Mann und überprüft, wo sich noch Metall am Körper befindet. Nach dem Sicherheitscheck auf Flughafenniveau betreten wir das jüdische Museum in Berlin.
Als Eintrittskarte bekommen wir einen roten Aufkleber mit dem Symbol des Museums, einem seltsamen Zeichen, das wie ein zackiger Blitz aussieht. „Was kann das nur sein?“, fragen wir uns, „Die hebräischen Buchstaben sehen anders aus. Was ist es dann?“
Wir werden in drei Gruppen durch das Museum der jüdischen Geschichte in Deutschland geführt. Alles beginnt mit einem Granatapfelbaum, dem Baum des Lebens. Auf jeder Frucht steht ein Gebet.
Wir erfahren, dass wir uns im Jahr 5767 jüdischer Zeitrechnung befinden, dass die Thora, die fünf Bücher Mose, in einem Jahr in den Gottesdiensten der Synagogen gelesen wird und dass der Neujahrs-
wunsch „Guten Rutsch“, sowie der Ausdruck „Hals und Beinbruch“ aus hebräischen Segenssprüchen entstanden ist.
In eine Maschine wirft man ein 5-Centstück ein und kurbelt dann an einem Hebel. Man kann zusehen, wie die Münze zu einer Plakette mit dem Kopf des berühmten Juden Moses Mendelssohn gedrückt wird,
die dann unten klingend herausspringt. Herr Weisz steckt diese sofort in sein Portemonnaie. Über Mendelsohn sollten wir an diesem Tag noch mehr erfahren.
Die Museumsführerin zeigt uns einen Schabbattisch, der zeigt, wie die Juden den Feiertag zelebrieren. Die Mutter des Hauses zündet am Freitagabend zwei Kerzen an, jedoch bevor es so dunkel ist, dass drei Sterne am Himmel zu erkennen sind. Dann hat der Feiertag nämlich schon begonnen, an dem keine Arbeit verrichtet werden darf.
Nach einem Gebet isst die Familie Brot und trinkt Wein.
Im Keller des Museums sind Wände, Decken und Boden schief. Es gibt keine rechten Winkel. Die Räume erinnern an die Juden, die im Holocaust starben und an jene, die noch fliehen konnten und nun einer fremden Kultur gegenüberstanden. Der Weg führt nach draußen, zum Garten des Exils, der daran erinnert.
Hier kommt die Führerin auf das seltsame Symbol des Museums zurück, das uns an einen Blitz erinnerte. Es handelt sich, um den Grundriss des Museums, der von dem berühmten Architekten Daniel Libeskind, der auch das Bauprojekt auf Ground Zero, dem Gelände des ehemaligen World Trade
Centers, konstruiert.
Nach dem Museumsbesuch werden noch das Restaurant und der Shop besucht. Es werden koschere Gummibärchen gekauft und wir fahren mit dem Bus ins jüdische Viertel der deutschen Hauptstadt.
Plötzlich stehen wir bei leichtem Regen in einem kleinen Park vor dem wieder aufgerichteten Grab von Moses Mendelsohn. „Hat jemand von ihnen schon einmal von dieser Person gehört?“ fragt unsere Führerin. Na, klar! Sofort holt Herr Weisz die Plakette aus seinem Portomanie. Die Führerin ist überrascht und erzählt von der Zeit der Aufklärung, in der Mendelsohn eine wichtige Rolle spielte.
Darauf besuchen wir die edel gestalteten Vorräume der Neuen Synagoge. Der eigentliche Gottesdienstsaal steht nicht mehr. Wir vernehmen etwas über den Ablauf der Gottesdienste in den Synagogen und hören von der ersten Rabbinerin weltweit, Fräulein Rabbiner Jonas.
Eine tolle Reise – gut organisiert – hochinteressant – eine schöne Gemeinschaft und ein kleiner Vorgeschmack auf die nächste bevorstehende Reise:
Shalom, Israel!